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… wie die Hoffnung auf den endgültigen Sieg gegen Corona 

Während die deutsche und die Weltöffentlichkeit – und nicht zuletzt die Finanzmärkte – vor der neuen, im südlichen Afrika festgestellten Corona-Variante B.1.1.529 erschauern, reichten eigentlich schon Zahlen aus dem Robert-Koch-Institut dafür, die bisherige Corona-Politik zu erschüttern. Denn sie entlarven die Rede von der „Pandemie der Geimpften“ endgültig als Wunschvorstellung einer Politik, die ganz und gar auf die Impfung als Ausgang aus der Pandemie setzte. 

Die neuen Zahlen jedenfalls zeigen, dass der Anteil der Geimpften am Corona-Geschehen keineswegs so marginal ist, wie nicht nur Markus Söder behauptet. Jetzt wissen wir: Die Mehrheit der Corona-Toten der letzten Wochen war doppelt geimpft. 

Nicht nur der Anteil der doppelt Geimpften an den Corona-Fallzahlen stieg deutlich an. 50,2 Prozent der Corona-Toten mit klinischer Symptomatik (für die eine Information vorlag) der letzten vier Wochen waren laut RKI-Daten sogenannte Impfdurchbrüche – also seit mindestens zwei Wochen doppelt Geimpfte mit positivem Test und klinischer Corona-Symptomatik. Der Anteil dieser doppelt Geimpften an der Gesamtzahl der symptomatischen Covid-19-Fälle lag bei 48,2 Prozent – bei den über 60-Jährigen sogar bei 71,4 Prozent. Bei den Hospitalisierten sind es in dieser Altersgruppe 56 Prozent und bei den Intensivpatienten 46,6 Prozent.

Im Vergleich zur Impfquote von 70,8 Prozent insgesamt, beziehungsweise 85 Prozent bei den über 60-Jährigen, sind Geimpfte nach diesen Zahlen immer noch seltener betroffen als Ungeimpfte. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich der Trend fortsetzt – die Wirkung der Impfung lässt schließlich nach, insbesondere bei den über 60-Jährigen, die mehrheitlich schon vor sechs Monaten oder früher geimpft wurden. Noch nicht erhoben wird der Einfluss der dritten Impfung auf das Geschehen.

Das ist für den Einzelnen, der vor der Entscheidung steht, kein Argument gegen die Impfung, denn die Daten widerlegen nicht deren Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf. Aber es ist ein Argument gegen eine Politik, die immer noch die Botschaft mit zunehmender Aggressivität durchzusetzen versucht, dass Corona aus der Welt zu schaffen wäre, wenn sich nur alle impfen ließen. 

Robert Habeck versprach bei der Vorstellung des Koalitionsvertrages „ein lernendes Deutschland, eine lernende Politik“. Wenn es der neuen Regierung damit ernst ist, müsste sie schon gelernt haben, dass Corona bleiben beziehungsweise in neuen Varianten, ob aus Südafrika oder anderswo, immer wieder kommen wird. Es gibt keinen totalen Sieg gegen Corona als Ausweg aus der Pandemie. Das Virus wird auf absehbare Zeit nicht aus der Welt verschwinden.

Der wichtigste Beitrag der Politik und der öffentlichen Meinungsmacher zur Bewältigung der Pandemie wäre der Abschied vom NoCovid-Größenwahn. Danach würden nicht nur pragmatische Wege zur Minderung des Leidens – das nie ganz aus der Welt zu schaffen ist – eher sichtbar werden. Es wäre vor allem auch besser möglich, die verhärteten Fronten innerhalb der Gesellschaft zu überwinden. 

Tichys Einblick


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